Den Nubas auf der Spur
Es begann mit einem Buch der Photographin Leni Riefenstahl. Das Thema: die Schmucknarben des sudanesischen
Nuba-Stammes. "Die Bilder haben mich einfach nicht mehr losgelassen", erzählt Barbara Rollmann fasziniert. Seither ist
Ethnologie ihre Leidenschaft. "Als ich ein Thema für die Diplomarbeit gesucht habe, habe ich mir überlegt, wie diese
Körperkunst auf Bekleidung übersetzbar sein könnte", erklärt Barbara Rollmann die Entstehung ihrer Idee. Gedacht, getan:
Körperkunst wurde Schwerpunkt ihrer Arbeit. Dazu gesellten sich Inspirationsquellen wie Fingerabdrücke,
Blindenschriftzeichen und Barcodes. Alles, was mit Zeichensprache, Zeichensystemen und Verschlüsselungen zu tun hat.
"Die Recherche war sehr zeitintensiv", erinnert sich die 35-Jährige, "ich habe mich beim Blindenverein informiert und
viel im Internet recherchiert." Manchmal ging es auch einfacher: "Der Barcode stammt zum Beispiel von meinem
Frühstückszucker", schmunzelt die Diplom-Ingenieurin für Bekleidungstechnik. Die unterschiedlichen Zeichen und Muster
modifizierte Barbara Rollmann anschließend mit Hilfe von verschiedenen Textildrucktechniken wie Ausbrenn-, Cameo-,
Flock- und Pigmentdruck. Das Schöne bei der Durchführung sei gewesen, erzählt die Wahl-Mönchengladbacherin, dass Dinge
entstanden seien, die man nicht vorhersehen konnte. "Ich habe zum Beispiel einen Schlangensamt beflockt, und nachher
konnte man die Schlangenoptik trotzdem noch erkennen." Um die Körperlichkeit nachahmen zu können, verwendete sie
vorrangig elastische Materialien. Anschließend verarbeitete sie die bedruckten Stoffe zu einer Kollektion, die durch
körpernahe Schnitte dem Anspruch der Körperkunst nachkam. "Interessant an der Arbeit war, dass in dieser Zeit das Thema
Körperkult immer mehr Verbreitung fand", so die Tochter einer Schneiderfamilie. "Es ist schön, wenn man die Bestätigung
für sein eigenes Trendgespür bekommt." Ihr Trendgespür würde Barbara Rollmann, die zahlreiche Praktika in der Modebranche
im In- und Ausland sowie Freelancer-Tätigkeiten in Trendbüros absolviert hat, am liebsten bei einem Unternehmen unter
Beweis stellen. "Ich arbeite zur Zeit frei und pendle zwischen Paris und Mönchengladbach. Aber am liebsten wäre ich im
Bereich Produktmanagement für eine Firma in der Modebranche tätig", erzählt sie. Würde da die Leidenschaft für Ethnologie
nicht zu kurz kommen? "Das wird ganz klar mein Hobby bleiben. Ich gehe zum Beispiel gerne in entsprechende Ausstellungen
oder lese darüber."
Antje Seipler
TextilWirtschaft 17 vom 27.04.2000
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