Digitale Ästhetik mit handwerklichen Mitteln
Lennart Bohle hat alten Posamenten eine neue Form verschafft
Schon als kleiner Junge hat er sich auf „textile Erkundungsgänge“ begeben, sagt Lennart Bohle. Seine Eltern sind Raumausstatter – und so bot sich reichlich Gelegenheit für derartige Ausflüge.
Aufgewachsen ist der heute 27-Jährige im westfälischen Lünen. Seine kreative Ader trat auch in seiner Schulzeit schon zutage – ein erstes Praktikum absolvierte er bei einem Floristen, ein weiteres an der Schule für Modemacher in Münster.
Großen Wert legt Lennart Bohle auf das handwerkliche Können. Deshalb ging er nach dem Abitur zunächst einmal nach Bayern, um bei dem Unternehmen Windmaißer in Cham eine Ausbildung zum Damenmaßschneider zu absolvieren.
Seinen Mappenkurs machte er bei dem Pforzheimer Künstler Thomas Ochs, dann begann er sein Studium in der Goldstadt. An der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim belegte Bohle den Studiengang Mode.
Auch weitab von Pforzheim suchte Lennart Bohle neue Inspirationen. Sein Auslandssemester absolvierte er an der internationalen Shin-Chen-Universität in Taipeh. Den Aufenthalt in Taiwan nutze er dann auch noch für einen längeren Abstecher nach Japan. Anschließend ging er nach Amsterdam und absolvierte ein Praktikum bei den Couturiers Viktor & Rolf.
Das Thema Handwerk spielt auch in Lennart Bohles Bachelorarbeit eine entscheidende Rolle. In seiner Kollektion mit dem Titel „Modi Funis - I am the printer“ hat er alte Posamenten wie Kordeln mit Hilfe handwerklicher Techniken so bearbeitet, dass sie eine digitale Ästhetik erhalten haben. „Ich möchte zeigen, dass das Handwerk auch in den Zeiten von digitalem Design und KI noch eine wichtige Rolle spielt.“
Die von Bohle entworfenen „Kreationen haben in ihrer markanten Formensprache eine couturige Anmutung“, lobt die Jury der Wilhelm-Lorch-Stiftung. Auch im Rahmen einer Ausstellung auf dem Berliner Salon sorgten die Kreationen für Aufmerksamkeit.
Ob er noch einen Master anhängen wird, weiß Lennart Bohle noch nicht. Erst einmal möchte er praktische Erfahrungen sammeln – „am liebsten bei einem Couture-Haus in Paris“.
